Donnerstag, 22. September 2011

Sie beten auch für Schwule

der papst kommt schwulIch demonstriere heute gegen die menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes.

Damit bin ich für Rüdiger Schaper vom Tagesspiegel Teil eines "bizarren Protests". Tja, für einen flotten Sager stellt Schaper schon mal die tiefgründigere Auseinandersetzung mit dem Thema hintan.

Für Matthias Mattussek auf SPON bin ich der Verblendete einer „Herrschaftsideologie … des feministischen, ökologischen, multikulturellen, genderfreundlichen, antikapitalistischen Gutmenschen.“ Die restliche Polemik liest sich wie eine Ode an die Bunkermentalität, wenn er Joseph Ratzinger zum „Last Man Standing“ stilisiert. Mattussek wähnt Ratzinger im Kampf. Dabei kämpfe ich nicht gegen den Katholizismus.

Sie dürfen ruhig glauben, was sie möchten. So lange sie mich und meine Art zu leben in Ruhe lassen. Das hat jetzt nichts mit der von Joseph Ratzinger beschworenen "Diktatur des Relativismus" zu tun. Denn sie lassen eines außer Acht: Wer nicht katholisch ist, beginnt nicht unwillkürlich zu morden, zu stehlen oder zu betrügen.

Was tut Joseph Ratzinger wirklich? Lassen wir jetzt mal beiseite, dass Errungenschaften wie Demokratie, Menschenrechte, Emanzipation der Frauen immer nur gegen den Willen und gegen größten Widerstand der katholischen Kirche umgesetzt werden konnten.

homophobia kills schwulAlso was tut Joseph Ratzinger wirklich? Er wirbt nicht positiv für die katholische Kirche mit der Aussicht auf ewiges Leben. Eigentlich ein ganz tröstlicher Gedanke. Er scharmützelt lieber mit Wiederverheirateten, ob sie die heilige Kommunion bekommen dürfen oder verweigert Frauen in der Hierarchie seines Unternehmens Aufstiegsmöglichkeiten und Mitspracherechte.

Außerdem lebt er den zentralen Satz „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ nicht konsequent vor, sondern verwechselt Nächstenliebe mit erniedrigendem Mitleid („Homosexualität ist eine Sünde, aber wir müssen Homosexuellen mit Achtung, Mitleid und Takt begegnen“). Sie beten auch für Schwule. Nun ja, danke.

Daraus leitet der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich ab, dass die katholische Kirche schwule Menschen nicht diskriminieren würde. Sie habe nur was gegen das Schwulsein. Als ob man dunkle Hautfarbe eklig findet und im gleichen Atemzug sagt, dass man ja nichts gegen Schwarze habe.

Nein, das Wichtige hat Josef Ratzinger aus den Augen verloren. Er mobbt lieber gegen glücklich gleichgeschlechtlich Liebende mit Beleidigungen wie „schwere Verirrungen“ und „Legalisierung des Bösen“. Oder lässt seine deutschen Bischöfe Schwule als „gescheiterte Menschen“ bezeichnen. Diese Aussagen machen Millionen von Schwulen und Lesben in der Welt das Leben schwer, treiben Jugendliche in den Selbstmord oder setzen sie Verfolgung und körperlicher Gewalt aus.

Deshalb demonstriere ich heute gegen die menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes.

Potsdamer Platz, 16.00 Uhr.


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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich wäre heute auch gern bei der Demo dabei. Leider bin ich zu weit weg.

Heiner Geissler war eben Klasse im ZDF. Er forderte Papst Benedikt auf, sich weniger um Augustinus und Ambrosius zu kümmern, sondern mehr um Jesus.

Anonym hat gesagt…

Ich kann leider auch nicht zur Demo kommen. Daher alles Gute aus Karlsruhe und schön friedlich demonstrieren! **gg**

Deine Motive zum Protest kann ich sehr gut teilen. Das alles lässt sich nicht aus dem Evangelium herleiten. Und das sage ich als gläubiger, schwuler Mann.

MFG
Klaus

Anonym hat gesagt…

Danke!

Anonym hat gesagt…

Die Kirche hat jahrhundertelang die Menschen in ihrem menschlichste, der Intimität und Sexualität, kontrolliert.
Inzwischen ist ihr das entglitten. Das Letzte was ihr blieb sind Männer die in verschworenen Gemeinschaften in weiten ästhetischen Kleidern hohe Choräle sangen. Und sonst hinter dicken Mauern lebten

Dem Pabst geht es nicht um ein Feind, es geht um Konkurrenz. Wenn sich schwule plötzliche frei und anerkannt in der der freien Gesellschaft bewegen dürfen, wie füllt man dann die Klöster?

Rich Rubin hat gesagt…

ein interessanter aspekt. früher sahen viele schwule wegen des totalverbots von homosexualität wirklich nur den ausweg katholische priester zu werden, um zumindest nicht aufzufallen.