Samstag, 18. September 2010

Auf der Polizei in Zürich

Zürich schwulIch muss in der Züricher Polizeiwache meinen Reisepass abgeben. Die Polizistin in Uniform hat mich zuvor aufmerksam gemustert und auch kurz auf die Uhr gesehen, ob ich zeitgerecht erschienen bin. Sie sagt aus dem Glaskasten des Empfangs heraus: „Ich öffne ihnen jetzt die Türe für zehn Minuten. Und wir fotografieren hier nicht.“ Dann gleiten Schiebetüren auf und ich befinde mich in der Eingangshalle der Regionalwache. Plötzlich explodieren über meinem Kopf Sterne und Blüten in einem Rausch von Rot, Gelb und Orange.

In den vergangenen 20er Jahren war diese Halle so düster und dunkel, dass die Idee aufkam, sie künstlerisch aufzuhellen. Ein Augusto Giacometti bekam den Auftrag. Der entfernte Verwandte des berühmten Alberto pinselte Ornamente in hellen Farben in die Kuppeln zwischen den Säulen. Das Ergebnis gleicht einem Feuerwerk.

Auch sonst ist Zürich fesch. Der Sohn des Diakons feiert einen großen Erfolg am Theater, ich lerne bei der Premiere sehr freundliche Schweizer kennen und erfahre, dass Schwyzerdütsch kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache ist. Außerdem esse ich ziemlich ungehemmt ganz viel Schoggi. Nur mein Arzt muss leider in Berlin arbeiten.

Zürich eingangshalle Polizei schwul
Giacometti-Halle in der Stadtpolizei, Bahnhofquai 3. Besichtigung gegen Vorlage eines Ausweises zwischen 9-11 und 14-16 Uhr. Eintritt frei.


Share/Bookmark

Kommentare:

Hans-Georg hat gesagt…

Was hast du den angestellt dass du den Pass abgeben musst?

Rich Rubin hat gesagt…

sie wollten ihn als pfand, um mich unbeaufsichtigt zu den blumerln und sternderln zu lassen.

Bautiger hat gesagt…

Augusto Giacometti war der Onkel von Alberto und Diego Giacometti aus Stampa im Bergell ( CH )
Graubünden wo es hinunter geht zum Lago di Como. kunstwerke von den Herren fast unbezahlbar.

Rich Rubin hat gesagt…

danke, bautiger. so enfernt verwandt ist er also gar nicht.

Bautiger hat gesagt…

rich, kleine korrektur meiner besserwisserei, der großvater von augusto und der urgroßvater der brüder alberto und diego waren brüder, doch ewtas entfernter als ich es in erinnerung hatte,
bitte um entschuldigung

Rich Rubin hat gesagt…

ich war mit 7 jahren auf dem begräbnis meiner ur-ur-großmutter. sie war die großmutter meines großvaters und wurde 105 jahre alt. manchmal sind entfernte verwandte doch näher, als man denkt. ;>