Montag, 30. November 2009

Thomas Mann und die religiöse Rechte

Jetzt ist es mir auch passiert.

thomas mann schwulLeichten Herzens schlendere ich auf den Blog von Benita, die sich als katholische Journalistin und Texterin bezeichnet. Ich lese ihren Beitrag „Thomas Mann und die Verdrängung“. Darin beklagt sie stilistisch einwandfrei den interessanten Aspekt, dass Thomas Mann immer mit „verdrängter Homosexualität“ gleich gesetzt wird, seine Entscheidung mit einer Frau Kinder zu zeugen, jedoch durchaus legitim sei. Aber unsere übersexualisierte Gesellschaft erachte es nicht als wünschenswert, dass jemand seine Sexualität etwas Höherem opfere.

thomas mann homosexuellIch wende freundlich ein, dass auch sie etwas übersexualisiert. Homosexualität beschränkt sich ja nicht nur auf „Männer ditschgerln Männer“ , sondern umfasst ebenfalls die Liebe zweier Menschen gleichen Geschlechts zueinander. Dann spielts jedoch Granada bei Benita.

thomas mann schwulIn ihrer Antwort wird Benita plötzlich weinerlich, beschuldigt mich ungerecht zu sein, hat aber großes Verständnis dafür, dass man bei diesem Thema unsachlich wird. Wer? Ich? Mein zu Beginn leichtes Herz weicht einem amüsierten. Vor allem, weil sie Thomas Mann seine Tauglichkeit als „homosexuelle Ikone“ verweigert. D'accord, als schwuler Mann sollte er auch niemanden ein Vorbild sein. Was aber gewesen wäre, hätte zu Manns Zeiten kein Totalverbot von Homosexualität geherrscht, der gute Tommy sich einen lieben Mann gefunden, geheiratet und gemeinsam Kinder aufgezogen hätte, das will sich die Benita nicht überlegen. Nicht sehr wissenschaftlich, oder um mit ihren Worten zu sprechen: nicht sehr sachlich.

schwuler adventsportAls ich Benita in einem weiteren Einwand darauf hinweise, veröffentlicht sie meinen Kommentar gleich gar nicht mehr. Stattdessen ein neuer Post, indem sie ankündigt, sich auf die besinnliche Adventzeit zu konzentrieren: Kein Shoppingrausch, kein Bloggen, sondern „Bücher lesen, beten, Sport“. Oh, wie schön. Vielleicht kontempliert sie daheim bei ihren Fitnessübungen im Schein der Kerzerln ja auch über den Satz: Nicht der homosexuelle Thomas Mann ist pervers, sondern die Gesellschaft, in der er lebte. Oder wovor sie eigentlich Angst hat. Aber wahrscheinlich tut sie das nicht.

schwule ideologieJa, nun ist es mir auch passiert. Mein erster direkter Kontakt mit der religiösen Rechten. War gar nicht schlimm. Hab offiziell attestiert bekommen, dass ich die Welt durch die Brille der Homosexuellen-Ideologie sehe. Mein Herz ist jetzt nicht nur leicht, sondern auch stolz.


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Kommentare:

Melzer hat gesagt…

Hi Rich,
mit diesem Attest kannst du mit stolzgeschwellter Brust durchs Leben gehen.

Rich Rubin hat gesagt…

merci.

ARI hat gesagt…

Im Übrigen ist Thomas Mann mit seiner "Möchtegern"-Fassade wesentlich weniger spannend als seine Kinder, insbes. Klaus und Erika. Da lohnt sich eine Betrachtung viel mehr...