Montag, 4. Mai 2009

Celebrity Clash und Krawalle in Kreuzberg

Nichts ahnend laufe ich am 1. Mai in Kreuzberg über den Heinrichplatz Richtung SO 36. Ich will durch die Menge des Myfestes zum Oranienplatz, wo der Sohn des Diakons und Rayman auf mich warten. Mein Arzt planscht mit dem kleinen Arzt und seinem Vetmed am Liepnitzsee. Er will keinen Krawall haben. Ich will solidarisch sein. Anfangs ist alles noch tranquillo zwischen Grillstandln und DJ Turntables. Plötzlich: Celebrity Clash!

clemens schick schwulEr geht zielgerichtet durch die Menschenmenge, denn beim Schlendern würde er wohl zu viel Aufmerksamkeit erregen. Er trägt ein schlichtes weißes Leiberl, Blue Jeans und diese schick-schick-schicke Brille. Basics für den Best Dressed Man 2008. Obwohl ich ihn schon auf der Bühne gesehen habe, fällt mir erst hier auf, dass er so um den Gürtel ein bisserl stärker ist. Was handfestes also. Und schon ist er in der Menschenmenge verschwunden, der Schick Clemens.

Ängstliche Babyfaces

kottbusser tor schwulDer weitere Nachmittag ist lässig, das Wetter passt, Musik macht Laune, Zoe spricht in ihrem Tranny-Blog von gelassenem Punk. Wie wahr. Wir lanseln auch am Kottbusser Tor herum, weil Rayman beruflich fotografierend Richtung 18.00 Uhr Demo muss. In der Menge der Menschen erblicken wir plötzlich ängstlich-verschämte Babyfaces, die sich in der Deckung eines Baumes schwarze Carhartt-Kapuzenpullis überziehen und Vermummungsmaterial aus den Rucksäcken holen. „Die wohnen in Charlottenburg“, meint der Sohn des Diakons, selbst ein Kreuzberg-36er. Wie treffend.

Angstgeweitete Augen

schwarzer block schwulAls die Demo startet, sind wir am Heinrichplatz. Der schwarze Block führt an. Das Transparent „Kapitalismus war als Kind schon Scheiße“ finde ich witzig. Erst auf den zweiten Blick sehen wir die ersten Pflastersteine aus dem Block fliegen. Mir wird mulmig. Es laufen plötzlich an die 30 Gelbjacken des Anti-Konflikt-Teams mit angstgeweiteten Augen auf uns zu. Ihnen gilt diese überraschende Pflasterstein-Attacke. Wenn die schon Angst haben, dann habe ich Panik. Ich ziehe den Sohn des Diakons in den sicheren Bereich des Myfestes. Im Vergleich zu dem, was noch passieren wird, war das nur der schwache Anfang. Aber mir reicht es. Ich mag jetzt nicht mehr solidarisch sein, sondern nur mehr pazifistisch und gehe nach Hause.

Strenge Predigt

Dort erwarten mich mein Arzt und der kleine Arzt nach den ersten Medienmeldungen mit der Sorge, dass mir etwas passiert sein könnte. Es folgt eine strenge Predigt, denn beide kennen diese Demos aus der Perspektive von Ärzten. Gar nicht lustig.

Glamourdick findet richtige Worte zum kindischen Ablauf der Krawalle. Das nächste Mal bin ich woanders solidarisch.

Foto Clemens Schick via


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