Freitag, 31. Oktober 2008

Jörg Haider und das Schwulsein

Medien publizieren zum Thema homosexueller Jörg Haider entweder reißerisch spekulativ oder unsicher stolpernd.
haider petzner
Den besten Zugang findet das österreichische Magazin Profil: Ob Haider schwul war, Buberlwitwe Petzner auch Haiders Lebensgefährte, die beiden sich gestritten haben, die letzten SMS den Unfall verursachten, täte nichts zur Sache. Bemerkenswert aber sei Jörg Haiders öffentlicher Umgang mit seinem Schwulsein. Er machte nämlich keinen Hehl daraus.

profil schwul„Jörg Haider [...] war verblüffend unverkrampft. Gut gelaunt schäkerte er etwa beim Umtrunk nach der Präsentation eines seiner Bücher Mitte der neunziger Jahre mit dem 20-jährigen Sohn einer Verlagsangestellten, statt den anwesenden Journalisten sein Œuvre nahezubringen. [...] Haider war dabei nicht unangenehm, nicht belästigend, nicht einmal besonders peinlich. Aber sein durch nichts abzulenkendes, völlig offen gezeigtes Interesse für die jungen Männer war in diesem Rahmen äußerst ungewöhnlich.“

Es scheint ihn halt niemand direkt gefragt zu haben.

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Mittwoch, 29. Oktober 2008

Was ihr wollt

Mein Arzt, der kleine Arzt, sein Vetmed und ich sehen im Deutschen Theater Shakespeares „Was ihr wollt“.
2 Besonderheiten bietet die Inszenierung.

  1. Alle Rollen in dieser Liebes-Geschlechter-Verwechsel-Komödie werden von Männern gespielt.
  2. Die Bühne ist ein einziger Gatsch.
was ihr wollt schwulViola tritt in Illyrien als junger Mann verkleidet in den Dienst des Herzogs, der sie zur Gräfin schickt, um für ihn zu werben. Diese verliebt sich aber in den jungen Mann, der doch Viola ist, die sich wiederum in den Herzog verliebt hat. Ganz schön schwindlig im Herzen.

Tändeleien hat Regisseur Michael Thalheimer aber nicht im Sinn. Der Gatsch-Matsch wird oft noch bewässert, so kühlt die Atmosphäre um den den Dreck auch noch ab. Die Leidenschaften sind lächerlich, alle gehen sich zärtlich wie Zombies an, jeder Kuss endet als KO, Geilheit gipfelt generell in Gewalt.
was ihr wollt schwulMeine Mitgefühl hat die androgyne Viola. Stefan Konarske spielt sie frierend mit Bärtchen und Ohrring. Schmalhüftig und flachbrüstig bibbert er im Transit der Geschlechter, bevor er am Schluss im Gatsch von allen gänzlich einpaniert wird. Die Zuschauer lachen komödienadäquat, aber es klingt mehr wie ein Verhöhnen.

Nix sanftes Illyrien. Ein ganz schön brutaler Abend im Herzen.

Nachgetragen: Wer immer Schnittchen Alexander Khuon, der den Herzog gibt, dieses unsexy Kostüm angezogen hat, ist entweder böse auf ihn oder hat es schweren Herzens für die Inszenierung getan.


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Dienstag, 28. Oktober 2008

Guten Morgen, Olympia.

Manet Olympia schwul
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Sonntag, 26. Oktober 2008

Sonntags SMS an Robert

KW 43: Mein schönstes Erlebnis mit Brigitte Xander? Als sie um 1980 im Ö3-Wecker ein Wunschlied von mir spielte und davor den Text auf meiner Postkarte vorlas.

(159 Zeichen)


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Freitag, 24. Oktober 2008

Schlagernacktparty

schwule schlagernacktpartyFreundlicher Arztgatte (40, 180, 68) sucht Begleitung beim Besuch der Schlagernacktparty am 13. Dezember 2008 im Berliner Ackerkeller. Musik: Katja Ebstein und Dschingis Khan. Dresscode: strictly naked.

Zwei Termine sind bereits ungenutzt verstrichen: Mein Arzt reagiert auf die Lala allergisch, der eine beste Freund befürchtet ungefragt berührt zu werden, der andere beste Freund geniert sich, öffentlich nackt zu sein. Allein trau ich mich nicht hin.

Wer hat Lust, mich zur Schlagernacktparty zu begleiten? Schwul sein keine Voraussetzung. Aussagekräftige Fotos nicht erforderlich. Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften an schlagernacktparty@gmx.de.


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Dienstag, 21. Oktober 2008

Cristiano Ronaldo und der Apfel

Im Job landen häufig Paparazzi-Fotos auf meinem Desktop. Die Bilder gleichen sich. Die einen zeigen Stars, die sich möglichst schnell durch die Fotografen-Meute bewegen wollen. Die anderen zeigen Sternchen, welche die Paparazzi selbst bestellt haben.

Gelegentlich bietet ein Foto neben der Befriedigung des Voyeurismus noch einen zufälligen Mehrwert.
cristiano_ronaldo_schwul
Klar, Herr Ronaldo shirtless in Shorts ist ganz apart anzusehen, aber die Bildkomposition wirkt noch aufregender. Die Personage ließe sich mythologisch interpretieren. Sogar der Ball spielt als Requisit eine Rolle. Welche von Homer übermittelte Situation sieht man in modernem Gewand? Ertappen wir hier Cristiano Ronaldo, wie er den trojanischen Krieg auslöst?


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Sonntag, 19. Oktober 2008

Sonntags SMS an Robert

kaiserschmarrn_schwulKW 42: Heute ausgesuchten Gästen Kaiserschmarrn serviert. Gschmackig gelungen. Es essen davon: die Orthopädin, ihre Professorin, der Doc und ich.

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Freitag, 17. Oktober 2008

Haider. Promille. SMS.

tinky_winky_schwulJetzt thematisiert Österreich die letzten privaten Stunden von Jörg Haider. Korrespondent Tinky Winky vom ehemals schwulsten Mobilfunker Österreichs twittert ein Update zur neuen Informationslage:

Haider verabschiedet sich doch nüchtern von Buberlwitwe Stefan Petzner, fährt aber nicht nach Hause. Er kehrt noch im Lokal "Zum Stadtkrämer" ein. Google meint: Das Schwulen Lokal in Klagenfurt!

zum stadtkrämer schwulÖsterreich beweist mit letztem Foto: Haider und ein junger Mann, dazu Red Bull und eine ganze Flasche Wodka.

Danach wieder Kolportage: Abschied beim Auto und Austausch der Handynummern. Anschließend die Fahrt, die am nächsten Tag in die Medien kam.

Tinky Winky erinnert sich an seine gefühlsechte Jugend, als jede erhaltene Telefonnummer sofort mit einer Interessensbekundung per SMS, häufig auch zweideutiger Natur, quittiert werden musste.

Ob das Jörg Haider auch passiert ist? Boulevardeske Quellen sprechen von SMS während der Autofahrt.

Danke für das Update, Tinky Winky.


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Unfall. Promille. Petzner.

In Österreich grassiert der Lady-Di-Effekt. Durch den Unfalltod von Jörg Haider unsanft an die eigene Sterblichkeit erinnert, kompensiert man sich zwischen Bodensee und Burgenland eine ungustiöse Heldenverehrung zusammen. Aus Angst pietätlos auf die Öffentlichkeit zu wirken, überschlagen sich die offiziellen Stellen gerade, das unerträgliche Wirken des Politikers Haider (lügen und verhetzen) beschönigend darzustellen.

Tinky Winky vom ehemals schwulsten Mobilfunker Österreichs beobachtet auch noch weitere Details:

Jörg Haiders Sprecher, Intimus und Nachfolger, Stefan Petzner, spricht in den österreichischen Medien häufig über das Ableben seines „Lebensmenschen“. Petzner vergisst dabei, dass der Begriff "Lebensmensch" vom Schriftsteller Thomas Bernhard geprägt wurde. Dieser war einst Ziel einer menschenverachtenden Hetzkampagne von Jörg Haider.

Petzner wird nicht müde zu erzählen, dass er sich vor der Todesfahrt in Haiders Phaeton gesetzt hat, um sich erst eine halbe Stunde später von ihm zu verabschieden. Aber dass niemand nachfragt, was die zwei nach Mitternacht im Auto beredet haben, wundert schon. Bedenkt man, dass mit 1,8 Promille nicht mehr viel mit Reden gewesen sein kann.

Sieht man beim Trauergottesdienst die vier um Haider trauernden Frauen (Mutter, Ehefrau und Töchter) mit versteinerten Gesichtern neben dem schluchzenden Petzner, dann drängt sich der Titel „Buberlwitwe“ förmlich auf.


Danke für diese Beobachtungen, Tinky Winky.


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Donnerstag, 16. Oktober 2008

Was uns in Dresden auffällt

schwuler kellnerBesucht man in Dresden ein Restaurant, freut man sich, weil die Speisekarten bereits am Tisch liegen. Reicht man, wie sonst üblich, nach der Bestellung dem Kellner die Speisekarten, legt er sie höflich, aber bestimmt wieder auf den Tisch.

Praktisch. So muss er sie für den Dessertwunsch nicht wieder an den Tisch tragen.


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Dienstag, 14. Oktober 2008

Patschen in Prenzlauer Berg

schwule patschenAn einem sonnigen Herbsttag auch noch gemeinsam Urlaub zu haben, dass passt uns.

Mein Arzt und ich radeln durch den herbstlich farbenprächtigen Tiergarten, plaudern in Gastgärten in Mitte mit dem Vetmed des kleinen Arztes über Regenbogenfamilien und kaufen für mich passend zur kommenden Jahreszeit Patschen in Prenzlauer Berg. Kalte Füße kann ich nicht.

Wer das Muster auf den komfortablen Patschen erkennt, ist entweder ein alter Berlinhase oder einfach nur gut.


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Sonntag, 12. Oktober 2008

Sonntags SMS an Robert

KW 41: Wenn man keine gute Nachred' geben kann, soll man schweigen. Ich bin heute sehr still.

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Freitag, 10. Oktober 2008

Burn after Reading

brad pitt schwul george clooneySamstag Abend ist Kinodienstag. Rayman, mein Arzt und ich sehen Burn after Reading von den Coen Brothers. Viel will ich über den Film nicht verraten. Es wäre schade, wenn man ihn noch nicht gesehen hat. Nur:

Brad Pitt ist ein sexy Blondinenwitz, wenn man dumm f**** gut mag.

George Clooney trägt das Hemd in der Hose und den Hosenbund knapp bis unter die Achselhöhlen gezogen. Sehr 80er, sehr lustig.


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Mittwoch, 8. Oktober 2008

Ich hab fertig – Das bin doch ich

thomas glavinicDer Schriftsteller Thomas Glavinic schreibt in seinem Roman "Das bin doch ich", wie sich ein Schriftsteller namens Thomas Glavinic die Zeit zwischen zwei Romanen vertreibt. Er trinkt viel, geht essen, lässt die Reifen seines Autos wechseln. Klingt fad, ist es aber nicht.

Erstens, weil Glavinic so wie ich aus Graz kommt. Er beschreibt die Stadt im Roman genau so traurig lustig, wie ich sie in Erinnerung habe.

Zweitens, weil Glavinic, so wie ich früher, in Wien lebt und er die Stadt so beschreibt, dass ich manchmal ein bisserl Heimweh habe. Oft aber nicht.

Drittens, weil Glavinic reale Personen des Wiener Kulturlebens fiktiv so böse beschreibt, dass es der Wahrheit schon wieder seeeehr nahe kommt. Vergnügungssteigernd wirkt, dass ich mit ein paar schon persönlich das Vergnügen hatte.

Viertens, weil der fiktive Glavinic aus Angst, er könne Krebs haben, zwei Jahre versucht, seine Hoden beim Duschen nicht anzuschauen.

Fünftens, weil der fiktive Glavinic sich häufig mit neurotisch-hypochondrischen Tendenzen in slapsticky Situationen bringt. Sehr übel ist die Attacke eines Stinkkäfers vor einer Lesung oder auch die Magen-Darm-Grippe während einer Zugfahrt.

Sechstens, weil der fiktive Glavinic seinen Freund und Bestsellerautor Daniel Kehlmann als Ecstasy-User outet. Den fiktiven natürlich.

donald duck schwulSiebtens, weil der fiktive Glavinic ein Donald Duck ist.


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Montag, 6. Oktober 2008

Der Baader-Meinhof-Komplex

In der Dresdner Schauburg war Kinodienstag. Mein Arzt und ich sehen den Baader-Meinhof-Komplex.

Mit 10 Jahren hatte ich Angst. Im Herbst 1977 musste ich in der Zeitung lesen, dass Menschen entführt und erschossen werden. In jedem Postamt hing das Fahndungsplakat mit den bösen Menschen. Die machten mir Angst.

10 Jahre später fand ich die bösen Menschen cool, weil sie gegen verkrustet-faschistoide Strukturen etwas unternommen haben und von der Obrigkeit wie Robin Hood ohne Erfolg gejagt wurden.

10 Jahre später fand ich die coolen Menschen einfach nur krank, weil sie andere Menschen ermordeten.

10 Jahre später sitze ich im Kino und sehe meine letzte Meinung bestätigt.

Der Film ist bedrückend und spannend. Die Akteure sind alle durchgehend zu hübsch. Martina Gedeck und Johanna Wokalek liefern eine feine Performance.


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Sonntag, 5. Oktober 2008

Sonntags SMS an Robert

KW 40: Morgen treffen sich Pröll und Strache zum Kaffee. Geht das schon wieder los?
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Freitag, 3. Oktober 2008

Dresden im Genusspaket

Na sowas! Mein Arzt und ich schmusen für das Wärmebild im Dresdner Hygienemuseum bis der Arzt kommt. Wir genießen die Zeit in Dresden.

schwules_dresdenFesch ist sie, die Stadt an der Elbe. Die fidele Frau Natalie Blau klärt mich beim geführten Stadtrundgang auf, dass der Sandstein der Barockgebäude nicht von Trabi-Abgasen so schwarz geworden ist, sondern mit Sauerstoff dunkel oxidiert. Aha, was gelernt. So bietet die Nacht in Dresden düster-morbide Ansichten auf Zwinger, Semperoper und Kathedrale. Wenn dann auch Möwenschwärme im nachtblauen Himmel darüber kreischen: für uns Alpenländler ein exotischer Genuss.

schrammsteine_verzaubertBeim Herumhirschen im Gebiet der nahen Schrammsteine genießen wir neben der beeindruckenden Naturkulisse auch die Grenze zu Tschechien. Denn auf den Wegen des Elbsandsteingebirges begegnen wir immer wieder Buben, die aussehen wie BelAmi auf Wandertag. Dobrý den!

tinky-winky-schwulIn manchen schwulen Bars werde ich von den betagten Anwesenden aufgrund meines Alters (obwohl schon ein bisserl jenseits der 30) als Twinkie angeschaut. Das genießt man gern, so dann und wann.

In der Hotellobby schnappe ich einen Geprächsfetzen in Sächsisch auf: „Früher hatten wir Genossen, jetzt tun wir genießen“.



Dresden passt uns.


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Mittwoch, 1. Oktober 2008

Sonntags-SMS-Dialog mit Robert

KW 39: Wir wandern im Elbsandsteingebirge. Magst uns deshalb die Ergebnisse der österreichischen Nationalratswahl per SMS schicken?
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Muss ich wirklich no das Ergebnis durchgeben? Spiel so ungern den Hiob.
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Ab heute leben wir im Exil.
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Zündet für uns Daheimgebliebene a Kerzerl an. Auch protestantisch!
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