Freitag, 26. September 2008

Cora Frost

Im Admiralspalast sehe ich die Premiere von The Best of Rest of Cora Frost. Cora Frost? Eine Frau zum Verlieben. Für alle. Für Heteros, Heteras, Schwule und Lesben. Gleich ob sie mit ihrer feinen Band die kühemelkende Frau besingt, die sich in eine Städterin verschaut hat. Oder Petting im Winter das Lob spricht. Alles sanft melancholisch. Und hoch dramatisch. Jetzt weiß ich auch, dass Berlin am Meer liegt. Cora Frost lacht so herzig, wenn sie Applaus bekommt. Ich bin echt verliebt.

Geheimcodes

Der Sohn des Diakons und ich sitzen innerhalb mehrerer Gruppen lesbischer Frauen. Bemerkenswert: Diese Frauen lachen unisono an Stellen, die meiner Meinung nach völlig pointenfrei sind. Sehr lustig. Da gibt es also Geheimcodes in den ohnehin schon geheimen Codes einer Subkultur.

Weisheit

Mit einer so klugen, wie liebreizenden Version von My Way entlässt uns Cora Frost in die Nacht:

Du kannst ihn schütteln,
Du kannst ihn klopfen,
in die Hose
geht der letzte Tropfen.




Nachgetragen

Celebrity Clash bei einer Premiere ist sogar mir ein bisserl zu läppisch, vor allem, wenn man von manchen auch die Hand geschüttelt bekommt.


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Mittwoch, 24. September 2008

Gomorrah

Sonntag Nachmittag ist Kinodienstag. Da trau ich mir ein Bad-Feel-Movie zu. Mit mutig sind der Sohn des Diakons und Rayman.
Gomorrha-schwulEin Bub nach dem anderen wird aus der Reihe geholt und in den dunklen Teil der verlassenen Lagerhalle geführt. Er bekommt eine kugelsichere Weste angezogen. Ein Mann zielt mit einer Pistole auf ihn und drückt ab. Den Buben wirft es mit schreckensgeweiteten Augen in den Staub. Damit hat der Bub aber seine Initiation für die Mafiaorganisation Camorra bestanden. Daheim befingert er das Hämatom stolz wie einen Orden.

Es herrscht Krieg im Süden Italiens. Kriege rekrutieren auch Kindersoldaten. Es gibt kein Entkommen im Film Gomorrah.

gomorrah-schwulDoch diese Sozial-Misere wartet an überraschenden Stellen mit poetischen Bildern auf. Die unfassbaren Geschehnisse werden durch diese Stilisierung erleichtert. Zum Beispiel wenn die Buben eine Armada von LKWs ballettgleich lenken, um für die Mafia kostengünstig Giftmüll in einem ehemaligen Steinbruch zu entsorgen.

Es gibt auch ein homoerotisches Buffo-Paar, das einen rührt. Wie Bonnie und Clyde finden sie aber erwartungsgemäß ein trauriges Ende.

gomorrah-schwulNur ein Einziger geht weg und sagt: So nicht. Ich bin anders. Diese Sequenz dauert so kurz, dass man sie fast geträumt haben mag, während dieses langen Films.


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Montag, 22. September 2008

Mein erstes Parfait

wolfram-siebeck-schwulWolfram Siebeck ist 80. Und vermutlich altersmilde. Anders kann ich mir nicht erklären, warum sich in seinen Rezepten plötzlich Mengenangaben finden. So gelesen im Sommerseminar 2008 beim Schwarzbeer-Parfait.



Kleiner Exkurs in meine Jugend

Noch gut erinnere ich mich an meine Zeit als Kochlehrling mit 4 hungrig wartenden Gästen und einem Siebeckschen Bohnengulasch am Herd. Weil ich ohne konkrete Deka-Vorgabe einkaufte, reichte der Topfinhalt zwar für mindestens 17 Personen, wurde aber nicht weich und genießbar. Himmel, meine Gäste hatten wegen der langen Wartezeit dem Kurzweil verheißenden Wein zugesprochen und mehr als ein Damenspitzerl, als ich telefonisch die Pizza bestellte, um sie satt zu bekommen.

Wieder jetzt

schwules-schwarzbeer-parfaitAber alles vergeben und vergessen. Frohen Mutes mach ich mit Siebecks Vorgabe mein erstes Parfait. Brav nach Rezept und Mengenangaben für 4 Personen. Es gelingt. Aber massig. Die Zutaten geben Portionen für mindestens 14 Personen her. Es essen davon Conny, mein Arzt et moi. Und zwar ganz lange.

Nix altersmilde. Wolfram Siebeck treibt Schabernack. Dennoch: Rosen & Gin für ihn.


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Sonntag, 21. September 2008

Sonntags SMS an Robert

cafe-fatal-schwulKW 38: Doc und ich besuchen die sonntagabendlichen Tanzstunden im Café Fatal. Rumba haben wir heute gelernt. Echt hetzig!

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Freitag, 19. September 2008

Was mich aufatmen lässt

unschwule_kuechenrolleEin Happy End: Nach langem Suchen Küchenrolle ohne Aufdruck gefunden und gekauft. Endlich keine schnuckeligen Zwiebelchen, rosa Blümchen oder kleinen Herzchen auf dem „Wisch-und-Weg“-Werkzeug mehr. Wir sind ein reiner Männerhaushalt. Da muss nichts lieb dekorativ in der Küche herum stehen.

Nächstes Ziel: Keine putzigen Hündchen oder drolligen Bärlis auf dem Klopapier! Ob es da auch ein Happy End geben wird?


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Mittwoch, 17. September 2008

Was mein Auge früh erfreut

sven_lorig_schwulDass Sweety Sven Lorig im ARD Morgenmagazin wieder einmal den braunen Anzug mit Nadelstreifen trägt, macht mich ganz schön munter. Warum? Sag ich nicht. Ein schwuler Gentleman genießt und schweigt.


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Montag, 15. September 2008

Surreal Baden

liepnitzsee_schwulAuf Empfehlung des einen Haidhauseners mit Berlin-Vergangenheit besuchen wir den Liepnitzsee. Der See liegt mitten im Wald. Surreal.

schwule_buben-schwimmen
Wir laufen am Ufer die kleinen Badeplätzchen entlang, als wir in eine Gruppe junger Männer geraten, die eben aus dem Wasser kommt. Sie baden nackt, haben keine Handtücher und klopfen sich gegenseitig trocken. Wir mitten drin. Surreal.

schwuler-haubentaucherMein Arzt und ich mieten uns ein Paddelboot, argumentieren miteinander wegen der ungleichmäßigen Frequenz der Paddelschläge, vertragen uns wieder und gleiten lautlos über das Wasser, beobachten einen Haubentaucher, der mit einem Fisch im Schnabel ringt, doppelt so groß wie er selbst. Surreal.

blockfloete-schwulAm Weg zurück treffen wir die Gruppe junger Männer wieder. Diesmal angezogen. Es sind Priester. Einer spielt Blockflöte. Surreal.


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Sonntag, 14. September 2008

Sonntags SMS an Robert

Die neue Nationalgalerie ist so alt wie ich! Bei freiem Eintritt traute ich mich heute, meine Hände erstmals mit dem Dyson Airblade zu trocknen. Slurp!

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Samstag, 13. September 2008

Irma la Douce

irma-la-douce-schwul
Kennst du mich, weißt du, dass ich kein leidenschaftlicher Freund des Musicals bin. Meist knödelt sich ein hübscher Tenor durch eine seichte Kaugummi-Story garniert mit Recycling-Tralala. Drum frage nicht, wieso ich plötzlich mit meinem Arzt Das Mädchen Irma la Douce in der tribuene am Ernst-Reuter-Platz besuche. Nenn' das Motiv einfach Freundschaft. In Charlottenburg, mitten unter Menschen, die ich mir vorurteilsbehaftet als typisches Charlottenburger Publikum vorstelle.

irma-la-douce-schwulJedoch: Schon bald komme ich in den Rhythmus dieser Aufführung. Einfache Bühne, aber phantasievolle Effekte. Als die Musical-Jungs nur in weißen Unterhosen über die Bretter wirbeln, bin auch ich ganz dabei (so einfach bin ich). Und genieße bei kurzweiliger Regie und Choreographie die gar nicht so unkomplexe Geschichte über wahre Gefühle, käuflichen Sex, Armut und Eifersucht. Mitten drin ein echter Star: Cool, aber auch anrührend erzählt Katharine Mehrling die Erotik und Tragik der Irma la Douce.

Ein angenehmer Abend. Mehr als ein Freundschaftsdienst.


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Mittwoch, 10. September 2008

Mr. Super Extra

Ab jetzt bin ich Groupie. In der Bar jeder Vernunft sehe ich Mr. Super Extra. Der Junge tritt im weißen Anzug und schwarzem Kurzarmhemd (100% Polyester) auf. Seine Schuhe sind weiße Adidas Samba mit grünen Streifen. Als er mit leidenschaftlichem Habibi-Disco-Schmelz seine Heimat Kreuzberg 36 und die vielfältige Art der Nahrungsbeschaffung besingt (in Hochdeutsch), horche ich auf.

Manchmal braucht man ein Bio-Produkt,
weil ei'm von Aldi der Hintern juckt.

Dann hole ich mir Öko-Corned-Beef
im Bio-Shop vom Frauenkollektiv.
Mein Herz gewinnt Mr. Super Extra mit dem Lied über seine Jugend („Bud Spencer“):

Manchmal muss man draufhauen.


Auch das Auge reizt er. Sein gezielter Einsatz des Zuzwinkerns erregt mich genauso wie der Spalt zwischen seinen Vorderzähnen. Außerdem hat Mr. Super Extra den geilsten Hüftschwung seit Helmut Lotti. Yes, read it from my lips: Helmut Lotti.

Hoppaaah!


Ab jetzt bin ich Groupie.


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Sonntag, 7. September 2008

Ich hab fertig - Sexy

sexy_joyce_carol_oatesEin bildhübscher Sechzehnjähriger, Star des Schwimmteams der Schule, ist mit seiner atemberaubenden Schönheit überfordert. Die Mädels finden ihn sexy, aber schüchtern. Oder schüchtern, aber sexy. Das ist ihm gar nicht recht. Als er bemerkt, dass sich auch ein Lehrer in ihn verliebt, kriegt er Panik. Dieser Lehrer steht bald wegen Pädophilie am Pranger. Der hübsche Schwimmer muss sich entscheiden: Mit Zivilcourage zu seinen Gefühlen stehen oder durchtauchen.

joyce_carol_oates_sexyPoah, das Buch Sexy ist meine erste Joyce Carol Oates. Spannende Geschichte über das Erwachsenwerden. Einmal hab ich geweint. Ob es ein Happy End gibt, kann ich als Schwuler nicht genau sagen. Heteros dürfen das entscheiden.

Nur wundere ich mich, dass die Sätze so einfach gebaut sind. Bis ich im Klappentext lese, dass Sexy für Menschen ab 13 Jahre geschrieben ist. Na sowas. Gschmeidige Lektüre auch für mich on a lazy sunday afternoon.


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Sonntags SMS an Robert

robert_schwul36. Kopenhagen! Kreta! Klass! Dass du aber neuerdings SMS mit Robi zeichnest, verwirrt mich. Wusste erst nicht, wer du bist, weil Robi dir nicht ähnlich schaut.

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Freitag, 5. September 2008

The Dark Knight

batman-joker-schwulDonnerstag ist Kinodate mit meinem Arzt. Wir sehen The Dark Knight mit Christian Bale und Heath Ledger. Der Joker stürzt Gotham City brutal ins Chaos. Um ihn zu stoppen, muss der melancholische Batman selbst böse werden.

Der Film ist fescher Mainstream. Analog zur Handlung, die ziemlich tricky Haken schlägt, ließe sich aber trefflich über 9/11, Irak, Afghanistan oder den Kosovo nachdenken. Heath Ledger spielt den unberechenbaren Psychopathen Joker beeindruckend kontrolliert.

Unsere Learnings


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Montag, 1. September 2008

Montags SMS an Robert

KW 35 +1: Meine Melancholie wird heller. Hab jetzt eine Kollegin in der Arbeit bekommen. Bin jetzt nicht mehr allein. Freu mich sehr.

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