Dienstag, 26. Februar 2008

Leuchtende Mandelzäpfchen

radialsystem_schwulGlamourDick empfiehlt es. Mein Arzt und ich sind dort. Wir sehen im Radialsystem V die Choreographie Ars Melancholiae von Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola im Rahmen der Programmreihe *Choreographen der Zukunft* präsentiert von Sasha Waltz & Guests. Das, was Tänzer auf der Bühne nicht an Worten benötigen, brauchen sie zur Ankündigung des Programms.

ars_melancholiae_schwulIch kann ja kein Tanztheater. Ich sehe dabei immer gut trainierte Menschen, die sonderbare Dinge vorführen. Im besten Fall tun sie die Dinge aber so, als könnten sie gar nichts anderes tun. Stellt sich diese Logik ein, finde ich das klass. Bei Ars Melancholiae ist das der Fall.

Wir sehen, wie es sich in den Mund eines anderen Menschen hinein schreien lässt bis die Mandelzäpfchen leuchten. Außerdem wie man sich auf den Kopf eines anderen Menschen setzt, der dann mit einem herum geht. Und wie die Geister von 30 toten Kanarienvögeln im Dekolleté von Frau Frost mit den Schnäbeln klappern.

delos_schwulDer Abend ruft mir die Touristenführerin Frau Inge auf der griechischen Insel Delos in Erinnerung. Sie erzählte meinem Arzt und mir von der sanften Melancholie als Lebensideal der alten Griechen. Die Annahme: Jedes extreme Hoch zieht unweigerlich ein ebensolches Tief nach sich. Erstrebenswert ist daher die Ausgeglichenheit. Sanfte Melancholie. Auch eine Kunst.


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