Montag, 21. Mai 2007

7 Seen

Eine Leihgabe des Berliner Martins: Münchner Hausberge in Buchform. Heute probieren wir den ersten aus. Auf den Jochberg! Schwierigkeitsgrad klingt babysch und die Aussicht verlockend. Wir starten in Urfeld am Walchensee beim Goethe-Denkmal. Hier soll der Dichter auf die Alpen geschaut haben, als er zu seiner Italienreise aufbrach. Dann verdienen wir uns schwitzend aufsteigend den atemberaubenden Rundblick vom Gipfel: 7 Seen. Staffel, Rieg, Froschhauser, Kochel, Starnberger, Walchen und Ammersee.
Nach dem Abstieg ruhen wir am Ufer und beobachten die coolen Wenden und Halsen der Wind-Surfer. Inmitten der Wellenreiter zu liegen ist lehrreich. Wir wissen jetzt anhand praktischer Beispiele, dass Surfer unter ihren Neoprenanzügen nichts tragen. Einfach nichts. Die Aussicht auf das Karwendelgebirge ist aber auch sehr schön.


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Montag, 7. Mai 2007

Ein Mann wie Heidi

Es geht nach Wien. Versehentlich checke ich am Business-Class-Schalter ein. Der Kollege von der Lufthansa meint: Sie lächeln so nett, deshalb schicke ich sie jetzt nicht weg! Ich denke: Hallo? Werde ich angeflirtet? Ich lächle so nett, wie ich kann und freu mich. Als ich danach neben dem Schalter meine Bordkarte verstaue, ist bereits ein Mann im Business-Anzug dran. So ganz nebenbei höre ich die Stimme des Mitarbeiters von Lufthansa: Sie lächeln so nett, da erfülle ich ihnen den Wunsch. Eine Frage: Hat mir irgendwer vergessen zu sagen, dass ich wie Heidi Klum beim schicke-Chicken-Kauf aussehe?


Während des Flugs hatte ich dann die Wachau erste Reihe fußfrei. Der Ausblick war atemberaubend. Beim schwulsten Mobilfunker Österreichs heimste ich mehr als 1.000 Begrüßungsküsse ein. Ich war geschmeichelt und meine Gesichtshaut sozial gestresst.
Das Wochenende dann privat. Mein Arzt und ich trafen unsere drei Lieben: den kleinen Arzt, Muscle-Doc und den Einser-BMW. Fast alle trugen wir Abercrombie-Shirts. Der gepflegte Homosexuelle verzichtet schwer auf diese Marke in diesen Tagen.
Der Rückflug. Beim Anflug auf München sehe ich unser Haus an der Wiesn. Davor aber noch die Stewardess: Was möchten Sie trinken? Ich: Stilles Wasser, bitte. Die Stewardess schenkt es in einen Becher und reicht mir...... die Flasche. Erst als sie merkt, dass ich sie nicht nehmen will, bemerkt sie ihren Irrtum. Ich lächle. Und zwar so nett, wie nur ich es kann.


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Sonntag, 6. Mai 2007

Die Honecker-Lounge

Am Grazer Schauspielhaus verliefen klare Fronten. Hier österreichische Schauspieler, dort deutsche Theaterleitung. Hier ein bisserl genetisch bedingtes Minderwertigkeitsgefühl, dort ein Tuck angeborene Überheblichkeit. Harte Zeiten am Stadttheater in der österreichischen Provinz. Ich wanderte wegen meiner Nationalität und meiner Funktion als Dramaturg zwischen diesen Fronten. Und hatte für beide Seiten Verständnis. Bis auf eine Situation. Stolz waren wir auf den Redoutensaal mit angeschlossenem Rauchsalon. Beides denkmalgeschützt und im Sixties-Styling gerade richtig als Spielplatz für Lesungen, Partys und nette Kleinigkeiten. Aber oft riefen deutsche Gast-Regisseure beim Betreten: Hier sieht es ja aus wie in der DDR. Beleidigt glaubte ich ihnen kein Wort und fragte sie meistens: Waren deine Eltern Geschwister?
Neulich in Berlin (wir schauten ja zu Ostern, wie die Berliner Haserl laufen) wanderten wir an der Karl Marx Allee ins Kino International. Gelockt hat uns ein Fest mit 4 Dancefloors. Wir flanierten auch durch die Chill-Out-Zone. Der Raum wird rührend Honecker-Lounge genannt. Ich traute meinen Augen nicht. Ich war wieder im Redoutensaal am Grazer Schauspielhaus. Hiermit bitte ich die Eltern einiger Regisseure des deutschsprachigen Theaters um Verzeihung.


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Dienstag, 1. Mai 2007

Die Bratenspritze

Kinder lassen sich mit einer Bratenspritze zeugen. Zumindest in der Literatur. Jeffrey Eugenides hat nach ihr eine Erzählung benannt, in der eine Frau von Plan A (Liebe und Hochzeit) zu Plan B übergeht, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. In Plan B ist eine Bratenspritze von besonderer Bedeutung. Ich denke mir beim Lesen: Das geht doch nie!
Als wir Martin in Berlin besuchen, um zu schauen, wie dort die Haserl zu Ostern laufen, lernen wir zwei schwule Väter kennen. Mein Arzt und ich sind neugierig. Der Sohn des einen stammt aus der Beziehung mit einer Frau. Der Sohn des anderen von einer Kinderwunsch-Erfüllung mit einem lesbischen Paar. Auch in diesem Fall war eine Bratenspritze von besonderer Bedeutung. Ich denke mir beim Zuhören: Jeffrey Eugenides lebt mit seiner Phantasie nah an der Realität. Und er lebt in Berlin! Das steht im Klappentext seines Erzählbandes. Ich sage: was für ein Zufall! Mein Arzt sagt: Denk nicht so kompliziert!


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