Mittwoch, 28. Februar 2007

Meeresextrakte

Wer ist denn bei Euch der Mann und wer ist die Frau? Schwere Frage! Man bekommt sie häufig von interessierten Heteros gestellt. Vielleicht schauen wir nach? Im Badezimmer: Auf meinem Deo steht „Nivea Deodorant, Sensitive, ohne Alkohol, pflegt mild“. Auf dem Deo meines Arztes steht „Nivea Deodorant, For Men, Fresh Active, Meeresextrakte“. War das hilfreich für die Antwort?


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Sonntag, 25. Februar 2007

Mein Arzt hat gelesen

Christoph Ransmayr, Die letzte Welt.

Und sagt: Nicht unbedingt leichte Kost, aber wer will das schon.


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Fremdschämen

Das Wochenende ist mein Arzt auf Fortbildung. Also vertreibe ich viel Sonntag alleine. Ich schlendere am späten Vormittag die zehn Minuten zum Münchner Hauptbahnhof, um eine Ausgabe von Monocle zu finden - Wallpaper-Leser der ersten Stunde wissen warum. Monocle bekomme ich keines, aber ich kaufe erstmals eine Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die schönste Zeitung der Welt. Diese Auszeichnung bekam sie von der amerikanischen Gesellschaft für Zeitungsdesign. Zu Recht. Besonders augenfällig: das Fernsehprogramm ist nicht mit Fotos, sondern mit einem schicken Comic in s/w bebildert, Kommissar Bienzle geht sanft in Frida Kahlo über. Auch der Lesestoff erfreut. Thomas Gottschalk wird endlich als verschwitzt grapschender Herrenwitz geoutet und ich lerne ein neues Wort kennen: Fremdschämen, ein Synonym für den Wetten-dass-Moderator. Viele kleine Rubriken geben fesch was her, vor allem die „Herzblatt-Geschichten“ mit einem Update aus der Bunten , Gala und Bild . Auf dem Weg nach Hause fühle ich mich urban und konfrontiere mich wieder einmal mit meinem Feind, dem Koffein. Im neuen Starbucks bestelle ich Vanilla Latte tall to go, gebe meinen Namen an, der wird auf den Becher geschrieben und bei der Ausgabe des Kaffees ausgerufen. Als es bei mir soweit ist, stellt die Starbucks-Kollegin zwei Vanilla Latte tall auf die Theke und sagt: Einer ist für Esther, einer ist für Rich. Ich nehme mir einen Becher und sage: Ich bin nicht Esther. Keine merkbare Reaktion hinter der Theke oder unter den Umstehenden. Vermutlich lachten sie alle erst, als ich das Starbucks schon verlassen hatte. Oder hat sich jemand fremdgeschämt? Was für ein Sonntag.


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Samstag, 17. Februar 2007

Quadrille

Wer ist denn bei Euch der Mann und wer ist die Frau? Schwere Frage! Manchmal entscheidet der Zufall. Wie bei der Mitternachts-Quadrille am Wiener Regenbogenball 2007 . Es ist unsere erste Quadrille und mein Arzt und ich nehmen Aufstellung. Da annonciert der Tanzmeister: rechts steht die Dame, links der Herr. Wir fügen uns in diese Entscheidung. Man muss sich halt ein bisserl konzentrieren, wenn die Anweisung „Und jetzt die Damen nach vor“ kommt. Dem Paar vis-a-vis (der am Bild ohne Brille ist der Herr) ergeht es ähnlich. Was für ein Spaß! Wie der gesamte Ball: Zu Gast am Sponsor-Tisch des schwulsten österreichischen Mobilfunkers. Walzer & Cha-Cha-Cha mit den Münchner Buben, beide diesmal besonders appetitlich in Smokings. Und endlich wieder mit dem kleinen Arzt feiern, der auf dem Weg nach Hause noch eine sehr große Überraschung erlebt. Daheim kommt er übrigens erst am nächsten Tag zu Mittag an.


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Donnerstag, 15. Februar 2007

I was his valentine!


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Mittwoch, 14. Februar 2007

Wir haben fertig!

Es ist vorbei, denn gestern lief die letzte Folge bei uns Zuhause: Queer as Folk , fünf Staffeln auf DVD. Die vergangenen zwei Jahre habe ich mir mit dieser Serie die Wiener Abende ohne meinen Arzt kurzweiliger gestaltet. Jetzt sind alle DVDs in München und mein Arzt hat mit mir aufgeschlossen.


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Samstag, 10. Februar 2007

Ehrgeiziger Gschloder

Mein Arzt ist ein Koffein-Fetischist. Deshalb trohnt in unserer kleinen Küche eine dicke, fette Espressomaschine. Ich trinke sehr, sehr selten Kaffee. Kaffee regt mich nicht an, sondern auf und lässt mich dann sonderbare Dinge tun. Dinge, zu denen mich der Wiener Martin immer provozieren wollte. Aber zur Sache, meine Herren. Ich versuche mich also mit diesem klassischen Siebträger zu arrangieren und kaufe ein Buch mit extravaganten Rezepten von mexikanischem Chili-Kaffee bis Mokkalatte on the Rocks. Ich will den Ball vorerst flach halten: Nur Mandelkaffee. Mandelmus und Zimt in heiße Milch rühren, eine Stunde ruhen lassen, dann erwärmen und Mandelsirup, Amaretto, heißen Espresso rein, fertig und trinken. Aber es muss mich ja der Ehrgeiz packen! Deshalb kaufe ich keinen Mandelsirup, sondern stelle ihn selbst her. Drei Anläufe kostet mich der karamellisierte Zucker. Zuerst legt sich alles an und wird zu dunkel. Dann verwende ich zuviel Wasser, daher kein Sirup, sondern Gschloder . Beim dritten Mal weiß ich wieder, wie ich es mit der feurigen Beha im Volkshochschulkurs „Flambieren“ gelernt habe: Zitronenhälfte auf eine Gabel spießen und sobald der Zucker sich verflüssigt damit am Pfannenboden reiben, reiben, reiben. Dann passt der Sirup. Nächster Tag ist Sonntag. Ich stehe früher auf, rühre die Mandelmilch an, lasse ruhen, zwinge meinen Arzt, den Espresso herzustellen, mixe, schäume und quirle. Dann endlich Trinken. Mein Arzt druckst herum. Auch ich erkenne nach drei Schlucken: der Mandelkaffee schmeckt nicht. Alles richtig gemacht, aber dann doch nicht. Zu bitter, zu intensiv, ein Drink mit Zyankali? Ach ich weiß nicht. „Mandelsirup kauft man“ belehrt mich Arthur, der unter uns wohnt. Und ich weiß, dass ich noch seltener Kaffee trinken sollte.


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Sonntag, 4. Februar 2007

Ich hab fertig - Der Schnupfen

Mein erster Stanislaw Lem. Science Fiction ist sonst nicht so meines, aber „Der Schnupfen“ wird von der Süddeutschen Zeitung ja auch als Kriminalroman geführt. Ein amerikanischer Astronaut vom Abstellgleis der NASA will das Rätsel lösen, wer mehrere seiner Landsleute in Neapel mit Drogen in den Selbstmord getrieben hat. Dafür lebt er das Leben eines der Opfer auf dem Weg von Italien nach Paris nach, um die Täter zu einer Handlung zu provozieren. Ganz schön spannend passiert nichts. Bis zu einem Terroranschlag am römischen Flughafen, der unmittelbar vor den Augen des Astronauten verübt wird. Damit wird eine Kette von Ursache und Wirkung in Gang gesetzt, die zur Lösung des Rätsel führt. Über retardierend lange Disputationen mit Mathematikern und Kriminalisten und einen heftigen Showdown in einem Hotelzimmer am Pariser Flughafen.
Weiter mag ich nichts verraten, nur dass Lem ein eisernes Gesetz des Krimis negiert und Inspektor Zufall walten lässt. Ok, um den Zufall geht es ihm in seiner Story und er argumentiert ihn naturwissenschaftlich und philosophisch. Aber das Krimi-Gesetz wird dadurch eher bestätigt. Vielleicht probiere ich noch einen zweiten Lem. Aber nicht gleich.


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Panik beim Nachtdienst

Mein Arzt hat Nachtdienst und ich gehe allein ins Theater. Im Werkraum der Münchner Kammerspiele wird „Die Panik“ von Rafael Spregelburd gezeigt. Der Argentinier arbeitet sich in sieben Stücken an den sieben Todsünden ab und lässt in dieser Farce wie bei einem Palimpsest die Todsünde Trägheit durchscheinen. Trägheit von Panik überdeckt? Klingt interessant. War es auch.
Mama Lourdes trauert voll Geldgier. Ehemann Emilio, vor der Hochzeit ihr Adoptivsohn, ist gestorben. Lourdes sucht in seiner Hinterlassenschaft den Schlüssel zu einem Bankschließfach, in dem sie viel Geld vermutet. Sie rappt ihren Blues (grandios vulgär wie Carol in „Little Britain“ : Cornelia Kempers) und kommandiert ihre erwachsenen Kinder zur Hilfe ab. Die sind halbherzig dabei, haben sie Emilios Wechsel vom Adoptivbruder zum Stiefvater doch übler genommen als Lourdes vermutete. Tochter Jessica (mit Eulenbrille und einer das Original überbietenden Darbietung von Silbermonds „Das Beste“: Tabea Bettin) will sich von Mama emanzipieren. Sohn Guido (mit Eulenbrille und in Unterhosen grandios den Ausfallschritt als Übersprungshandlung einsetzend: Lasse Myhr) will Sex. Er weiß nur noch nicht ob mit Männern oder Frauen.
Ab geht es ins amüsante Stationen-Drama: Die zerstreut-gestresste Bankdirektorin besteht auf den fehlenden Schlüssel und empfiehlt eine Familientherapie, um Blockaden zu lockern. Locker sitzt beim Therapeuten aber nur die Hand, denn bei Widerspruch verteilt er Ohrfeigen und ist daher wenig hilfreich. Ein weibliches Medium wird konsultiert. Das plaudert zwar mit Emilio, verbindet ihn aber nicht mit der Aufgabenstellung. Vielmehr ist die Frau auf Guido scharf, zerredet aber einfach-kompliziert die wachsende Begierde und bringt ihn dann salomonisch auf die Idee, sein Mann-oder-Frau-Problem doch mit Transsexuellen zu lösen. Eine ziemliche Gaudi! Nach vielen panischen Aktionen taucht der Schlüssel auf, aber dann ist alles anders als vermutet und die Trägheit frei gelegt.
Regisseur Patrick Wengenroth musste ich im Wiener Falter einmal böse rezensieren („Vom Feinsten“ im Hundsturm). Jetzt ist aber alles wieder gut. Fein geführte Darsteller agieren als Sprechautomaten im witzigen Small Talk. Die skurill anmutenden Blockaden erzeugen einen Erregungsstau, der sich plausibel und pointensicher in den Übersprungshandlungen Raum verschafft. Dass Emilio wie Bruce Willis in The 6th Sense seinen Tod noch nicht begriffen hat, kommt nur begrenzt witzig über die Rampe, ist aber auch das einzige, was es zu meckern gibt und eher dem Autor anzulasten. Guter Abend, gute Unterhaltung.
Im Foyer des Werkraums fiel mir auf, wie viele Männer Samstag Abend allein ins Theater gehen. Dass ich bei freier Sitzplatzwahl ausgerechnet zwischen zwei zu sitzen kam, verbuche ich als Zufall. „Seid Ihr auch Arztgatten mit Nachtdienst-Freigang?“, hab ich mich dann doch nicht zu fragen getraut.


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