Montag, 29. Januar 2007

Mein Arzt hat gelesen

Fünf schöne Mädchen, Schwestern, begehen innerhalb eines Jahres Selbstmord. Warum? Weil sie mit der Gesamtsituation unzufrieden sind.
Mein Arzt sagt: Die Selbstmord-Schwestern von Jeffrey Eugenides, Lesen!


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Donnerstag, 25. Januar 2007

Lässig dastehen

Ein Hinweis, wenn du mit dem Lift zu uns kommst: 8.Stock drücken. 8.Stock? Aber ihr wohnt ja im 12.Stock! Muss ich die restlichen 4 Stockwerke laufen? Nein, ist nicht notwendig. Stockwerk 1 bis 3 gehören dem XXXLutz und werden nicht gezählt. Der 4.Stock ist der Keller, der gilt mit Z nur als Zwischengeschoß. Erst dann beginnt die Zählung mit dem ersten Stock. Also wohnen wir hoch wie zwölfter Stock, aber du drückst auf den Achter im Lift. So kommst du zu uns und auch das Gedicht passt besser:

Zwei Männer auf dem Balkon

Durch die Straßen schlendernd,
sah ich im achten Stockwerk eines Hochhauses
zwei Männer auf dem Balkon stehen.
Der eine hatte seinen Arm
um die Schulter des anderen gelegt,
während der andere Arm ausgestreckt war
und über die Stadt zeigte.
Dies erweckte den Eindruck,
als sei der eine zu Besuch in der Stadt
oder ein Gast,
dem die ungewohnte Aussicht erklärt würde.
Beide schienen, wie sie so lässig dastanden,
dem Tumult enthoben.
Als ich, weitergehend,
sie aus dem Auge verlor,
wünschte ich, sie möchten noch lange
freundschaftlich verbunden auf dem Balkon bleiben,
in dem schwebenden Mastkorb
über dem Geflecht der Stadt
Gedanken erspähen, die Glück verheißen.

Ist es Zufall, dass Cyrus Atabay, der Autor dieser Zeilen, in München lebte? Ja, sagt mein Arzt, und bevor du ganz in Sentimentalität zerfließt: Du bist seit Anfang Jänner nicht mehr zu Besuch in München, sondern Zuhause, und musst auch nicht ständig ausprobieren, wie man "lässig am Balkon dasteht". Ich habe einen grausamen Arzt. Das ist übrigens mein Arzt, wie er morgens sein Müsli am Balkon frühstückt. Ganz schön lässig, oder?


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Samstag, 20. Januar 2007

Kyrill & Edmund

Kyrill ist wieder fort. Donnerstag gehe ich seinetwegen früher von der Arbeit nach Hause. Und ich benutze die U-Bahn und laufe nicht die 20 Minuten zu Fuß heim wie sonst. Von NTV über den Bayrischen Rundfunk bis ORF verweht es jedem Reporter vor Ort die Frisur. Alle sprechen frisch recherchiertes Wissen in zottelige Kleintiere und sagen im gleichen Wortlaut: "Der Wind muss Stärke 8 erreicht haben. Das erkennt man daran, dass bereits Äste brechen." Lehrreich. Jeder Reporter brüllt in den tosenden Wind, dass es noch schlimmer kommen soll. Angst. In der Nacht lässt der Orkan die Fensterscheiben unserer Wohnung im 12. Stock durchgehend scheppern. Ich sehe uns bereits von Glassplittern gespickt und will die Matratzen ins fensterlose Vorzimmer zum Schlafen auflegen. Mein Arzt belächelt den Vorschlag milde und verhängt gemeinsame Ohropax-Pflicht. Mit Erfolg! Sofort schlafe ich neben dem Fenster, das vermutlich die gesamte Nacht heftig scheppert, ein. Mich weckt erst der Wecker in der Früh.

Edmund Stoiber ist auch weg. Ich beobachte alles aus nächster Nähe. Nicht nur, weil ich in München lebe, sondern weil mein Arbeitsplatz ein Haus neben der Parteizentrale der CSU liegt. Fast ein shakespearesches Königsdrama mit viel charakterschwacher Besetzung. Eigentlich sollte Frau Pauli die Nachfolge antreten. Sie kam nicht wie die aktuellen drei Stoiber-Nachfolger erst aus der Deckung, als der der Alphawolf bereits waidwund war. Aber: Wir werden den Meister der freien Rede wie Kyrill kaum vermissen. Oder vielleicht doch? [HALLO, die blaue Schrift markiert einen Link, sakra]


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Sonntag, 14. Januar 2007

Letzte Disco vor der Autobahn

Die Münchner Buben entspannten gestern beim Floaten so sehr, dass sie nach gemeinsamer Jause im „Kranz“ um Mitternacht nach Hause gehen. Mein Arzt ist aber in der „letzte-Disco-vor-der-Autobahn“ Stimmung. So schlendern wir bei milden Temperaturen die Sonnenstraße runter bis zur Roten Sonne. Dort hat der Candy-Club geöffnet. Wir lassen die lange Warteschlange zum Pacha links liegen. Im Eingang zur Roten Sonne nur zwei Frauen vor uns. Beide illuminiert und offensichtlich von der Pacha-Spur abgekommen. Die Stempel-Kollegen von der Roten Sonne erinnern sie lieb, dass der Candy-Club eine Party für Schwule, Lesben und ihre Freunde sei. Eine diskutiert noch, die andere nuschelt bereits: „Schwule und Lesben, pfui deibel!“ Da steht die homophobe Gitschen auch schon vor der Tür. Warum? Der Türsteher - 1.90 groß, breite Schultern, enges Shirt - hat sie einfach raus gestellt. Und gleich drauf die zweite. Unserem Staunen entgegnet er, dass er zwar hetero sei, aber so etwas nicht durchgehen lasse. Sehr fesch, die Jausenstation spendiert für den integren Rauswurf Mannerschnitten.





Im Candy selbst gibt es dann Blondies „Heart of Glass“. Auch sehr fesch.


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